Jeanne Barret
Seefahrerin, Naturforscherin und Botanikerin
Das band von jean
von Anna Job
von Anna Job
Ich bin Jean. Da ist ein Band.
Blau auf Blau. Am Horizont.
Unbekannte. Spannung.
Grün im Sinn.
Meine Augen sehen Weite. Segel. Reling.
Mein Gesicht spürt Frische. Hoffnung. Wind.
Ich möchte tief atmen. Doch der Platz reicht nur für kurze Züge.
Da ist eine Wand. Von allen Seiten. Um meine Brust.
Sterne oben. Mein Stern unten. Die L‘Étoile.
Neben der Boudeuse.
Neben ihm. Dem einen, der mich reingebracht. Beschützt.
Der eine, der es weiß.
Viele Blicke. Auf mir. Mal verstohlen. Mal ein Glotzen.
Sie sehen keinen Bart. Ich viele Bärte.
Sie stinken. Singen. Fluchen.
Suchen Wahrheit. Lüge. Meine.
Für Tage. Wochen. Monate.
Manch einer will mich anfassen. Doch in ihrer Hand dann nur sie
selbst.
Da ist ein Brennen.
Das Band ist fest. Es ist verboten.
Endlich Grün. Und Sand und Felsen.
Er und ich, wir sind ein Team. Wandern. Suchen. Sammeln.
Ich finde euch zu vielen.
Stengel. Blätter. Blüten. Wurzeln.
Endlich Arbeit. Meine.
Ich trage mehr als er. Viel mehr.
Hinter ihm.
Da ist ein Schwitzen. Niemand darf es wissen.
Den anderen sage ich: Da ist ein Eunuch.
Ich binde Schnüre. Schleifen. Knoten.
Um Euch. Notizen. Proben.
Meine Haare. Hemden.
Mich.
Das Band ist eng. Es ist gefährlich.
Da ist ein Scheuern. Da sind Striemen.
Unter ihm.
Dreh ich die Muttern fest. Zurück in der Kajüte.
Ihr sollt gut trocknen. In der Presse.
Nachdem ich euch gezeichnet habe. Eingeordnet.
Wie meine Mutter es mich lehrte.
Ich bin gut. Sagt er. Mein Commerson. Ich weiß viel. Im Detail.
Doch eure Namen, die darf nur er euch geben. Seinen Namen.
Eriotrix commersonii.
Melica commersonii.
Meine Haut wird rot. Da wo sie es nicht sehen.
Bis auf einmal. Auf Tahiti.
Ich seh dich klettern. Ranken.
Zu vielen kräftig leuchten. Knallig. Pink.
Du bist die erste, die nicht seinen Namen bekommt.
Zu Ehren.
Ich habe dich gefunden. Bougainvillea.
Zu Ehren des Captain Bougainville.
Da ist ein Ekzem.
Bis sie es eines Tages sehen.
Die aus dem Paradies, das auch Tahiti heißt.
Sie sehen es sofort: Da ist ein Mädchen.
Und jetzt. Da sie es wissen: Meine Wahrheit. Meine Lüge.
Nehmen sie mich. Her.
Ich seh das Band fallen. Reißen. Fetzen meiner selbst.
Viele Stöße.
Keine Worte. Von meinem Lehrer. Schützer. Kompagnon.
Von meinem Commerson.
Auch nicht vom Captain Bougainville.
Da ist ein Druck.
Ich trage viel. Und sie sind feige.
Jetzt bleibe ich im Bett. Allein. Will kein Botaniker mehr sein.
Lasse Opium meinen Tag bestimmen.
Bis das Verbot, vom Weibsbild auf dem Schiff, den Anker lässt
und ihn und mich an Land.
Da war ein Band. Ich bin ein Mädchen.
Ich bin Jeanne.
Blau auf Blau. Am Horizont.
Unbekannte. Spannung.
Grün im Sinn.
Meine Augen sehen Weite. Segel. Reling.
Mein Gesicht spürt Frische. Hoffnung. Wind.
Ich möchte tief atmen. Doch der Platz reicht nur für kurze Züge.
Da ist eine Wand. Von allen Seiten. Um meine Brust.
Sterne oben. Mein Stern unten. Die L‘Étoile.
Neben der Boudeuse.
Neben ihm. Dem einen, der mich reingebracht. Beschützt.
Der eine, der es weiß.
Viele Blicke. Auf mir. Mal verstohlen. Mal ein Glotzen.
Sie sehen keinen Bart. Ich viele Bärte.
Sie stinken. Singen. Fluchen.
Suchen Wahrheit. Lüge. Meine.
Für Tage. Wochen. Monate.
Manch einer will mich anfassen. Doch in ihrer Hand dann nur sie
selbst.
Da ist ein Brennen.
Das Band ist fest. Es ist verboten.
Endlich Grün. Und Sand und Felsen.
Er und ich, wir sind ein Team. Wandern. Suchen. Sammeln.
Ich finde euch zu vielen.
Stengel. Blätter. Blüten. Wurzeln.
Endlich Arbeit. Meine.
Ich trage mehr als er. Viel mehr.
Hinter ihm.
Da ist ein Schwitzen. Niemand darf es wissen.
Den anderen sage ich: Da ist ein Eunuch.
Ich binde Schnüre. Schleifen. Knoten.
Um Euch. Notizen. Proben.
Meine Haare. Hemden.
Mich.
Das Band ist eng. Es ist gefährlich.
Da ist ein Scheuern. Da sind Striemen.
Unter ihm.
Dreh ich die Muttern fest. Zurück in der Kajüte.
Ihr sollt gut trocknen. In der Presse.
Nachdem ich euch gezeichnet habe. Eingeordnet.
Wie meine Mutter es mich lehrte.
Ich bin gut. Sagt er. Mein Commerson. Ich weiß viel. Im Detail.
Doch eure Namen, die darf nur er euch geben. Seinen Namen.
Eriotrix commersonii.
Melica commersonii.
Meine Haut wird rot. Da wo sie es nicht sehen.
Bis auf einmal. Auf Tahiti.
Ich seh dich klettern. Ranken.
Zu vielen kräftig leuchten. Knallig. Pink.
Du bist die erste, die nicht seinen Namen bekommt.
Zu Ehren.
Ich habe dich gefunden. Bougainvillea.
Zu Ehren des Captain Bougainville.
Da ist ein Ekzem.
Bis sie es eines Tages sehen.
Die aus dem Paradies, das auch Tahiti heißt.
Sie sehen es sofort: Da ist ein Mädchen.
Und jetzt. Da sie es wissen: Meine Wahrheit. Meine Lüge.
Nehmen sie mich. Her.
Ich seh das Band fallen. Reißen. Fetzen meiner selbst.
Viele Stöße.
Keine Worte. Von meinem Lehrer. Schützer. Kompagnon.
Von meinem Commerson.
Auch nicht vom Captain Bougainville.
Da ist ein Druck.
Ich trage viel. Und sie sind feige.
Jetzt bleibe ich im Bett. Allein. Will kein Botaniker mehr sein.
Lasse Opium meinen Tag bestimmen.
Bis das Verbot, vom Weibsbild auf dem Schiff, den Anker lässt
und ihn und mich an Land.
Da war ein Band. Ich bin ein Mädchen.
Ich bin Jeanne.
jeanne Baret Biografie
von Ellinor Amini
von Ellinor Amini
Triggerwarnung: Diese Biografie enthält Darstellungen von sexueller Gewalt von Frauen und ungewollter Schwangerschaft
Jeanne Baret (1740–1807) war eine französische Naturforscherin und gilt als die erste Frau, die eine Weltumsegelung absolvierte. Sie wurde in Burgund, Frankreich geboren und wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Früh zeigte sie Talent für Organisation und Detailarbeit, Fähigkeiten, die später entscheidend für ihre botanische Tätigkeit wurden. Baret arbeitete zunächst als Magd und später als Assistentin des französischen Botanikers Philippe Commerson, mit dem sie eng zusammenarbeitete; es wird vermutet, dass die beiden ein geheimes Verhältnis hatten. Sie unterstützte Commerson bei Zeichnungen, Klassifikation und Sammlung von Pflanzen – Aufgaben, die zunehmend ihre eigene Expertise prägten.
1766 schloss sich Jeanne Baret Philippe Commerson, verkleidet als Mann names Jean Baret, der französischen Expedition unter Kapitän Louis-Antoine de Bougainville an, da Frauen offiziell nicht teilnehmen durften. Während der Reise sammelte sie systematisch Pflanzen in Südamerika, auf den Kapverdischen Inseln, in Tahiti und weiteren Inseln des Pazifiks. Sie teilte sich eine Kabine mit Commerson, der an chronischen Entzündungen und gesundheitlichen Problemen litt, und musste oft seine Arbeit übernehmen, wenn er zu krank war, um selbst zu sammeln oder zu dokumentieren. Viele der von ihr gesammelten Pflanzen wurden erstmals wissenschaftlich beschrieben, und einige benannte sie nach Mitgliedern der Expedition, darunter die bekannte „Bougainvillea“ nach dem Kapitän. Ihre Sammlung, die sie nach der Rückkehr nach Frankreich stiftete, bildet die Grundlage des heutigen Naturkundemuseums in Paris.
Während der Reise war Baret extrem gefährdet: In Tahiti erkannten die Einheimischen, dass sie eine Frau war, was zu Spannungen führte. Berichten zufolge war sie mehrfach sexueller Gewalt durch Crewmitglieder ausgesetzt. Historische Quellen legen nahe, dass sie vermutlich aufgrund dieser sexuellen Gewalt ungewollt schwanger wurde. Diese Vermutung beruht allerdings auf sekundären Interpretationen und gilt als nicht gesichert. Danach ist von einem Kind nicht mehr die Rede.
Es gibt Hinweise darauf, dass sie zeitweise isoliert oder von der Crew kontrolliert wurde, die Formulierungen wie „auf einer Insel ausgesetzt“ in einigen Biografien verwenden, aber eine formale Verbannung ist nicht belegt. Am Ende der Expedition wurde Jeanne Baret zurückgelassen und musste sich ihre Rückreise nach Frankreich selbst organisieren und finanzieren, da sie als Frau* nicht offiziell als Expeditionsteilnehmerin galt. Sie nutzte dafür Gelegenheiten auf Handelsschiffen und verdiente zwischendurch ihren Lebensunterhalt, unter anderem als Barfrau, um die Heimreise zu ermöglichen. Commerson verstarb 1773 auf der Rückreise des Expeditionsschiffes nach Frankreich, bevor die Expedition vollständig beendet war. 1775 kehrte Jeanne Baret schließlich alleine nach Frankreich zurück.
1777 erhielten sie und Commerson Anerkennung durch die französische Gesellschaft für Wissenschaften.
Jeanne Baret verbrachte ihren Lebensabend in Saint-Aulaye, Frankreich, weitgehend zurückgezogen, aber als anerkannte Botanikerin. Ihr Leben ist heute ein Symbol für Mut, wissenschaftliche Exzellenz, Durchhaltevermögen und die Überwindung gesellschaftlicher, geschlechtlicher und sozialer Barrieren, die Frauen* in der Wissenschaft des 18. Jahrhunderts erfuhren. Ihre Geschichte illustriert die strukturellen Herausforderungen, persönlichen Risiken und kreativen Strategien, die notwendig waren, um in einer patriarchalisch und kolonial geprägten Welt wissenschaftlich tätig zu sein.
jeanne Baret Heute
Jeanne Baret lässt sich als Pionierin der Naturwissenschaften und frühe Wegbereiterin für Frauen* in der Wissenschaft einordnen. Ihre Arbeit als Botanikerin während der Bougainville-Expedition war nicht nur wissenschaftlich bedeutend, sondern auch sozial radikal: Sie überwand die strikten Geschlechterbarrieren des 18. Jahrhunderts, indem sie sich als Mann verkleidete, um an einer Weltumsegelung teilnehmen zu können. Diese Entscheidung reflektiert die systematische Ausschlussstruktur von Frauen in Wissenschaft, Expeditionen und Forschung, die nur durch Mut, List und Durchhaltevermögen überwunden werden konnte.
Die Expedition selbst war für Baret mit extremen Risiken verbunden: Sie musste die Arbeit ihres kranken Mentors Philippe Commerson übernehmen, war permanent dem Risiko des entdeckt werdens ausgesetzt, welches potenziell sexueller Gewalt bedeutete, musste soziale Isolation und Misstrauen der Crew ertragen und nach Commersons Tod ihre Rückkehr nach Frankreich selbst finanzieren. Solche Bedingungen verdeutlichen die strukturelle Benachteiligung von Frauen und die persönlichen Opfer, die nötig waren, um wissenschaftlich tätig zu sein. Gleichzeitig zeigt ihr Beitrag zur Sammlung und Dokumentation von Pflanzen, die später die Grundlage für das Naturkundemuseum Paris bildeten, dass Frauen* auch in formal marginalisierten Positionen entscheidende wissenschaftliche Leistungen erbringen konnten.
Feministisch betrachtet ist Baret ein Beispiel für die Unsichtbarkeit und Marginalisierung von Frauen* in der Wissenschaftsgeschichte: Erst Jahrhunderte später wir begonnen ihre Rolle als Pionierin gerechtfertigt zu würdigen, während sie zu Lebzeiten oft nur als „Assistentin Commersons“ wahrgenommen wurde. Ihre Biografie illustriert die Verknüpfung von wissenschaftlicher Exzellenz, persönlichem Risiko und gesellschaftlicher Unterdrückung, die viele Frauen* in der frühen Neuzeit erfuhren.
Fazit: Jeanne Baret zeigt, dass wissenschaftlicher Fortschritt historisch eng mit sozialen, genderbedingten und persönlichen Herausforderungen verbunden war. Ihr Leben symbolisiert den Mut, die Durchsetzungskraft und die Innovationsfähigkeit von Frauen*, die trotz struktureller Barrieren wissenschaftlich exzellente Arbeit leisteten. Gleichzeitig verdeutlicht ihre Geschichte die Notwendigkeit, geschlechtsspezifische Ausschlüsse in historischen Narrativen sichtbar zu machen und die Rolle von Frauen* in der Wissenschaft angemessen zu würdigen.
Quellen
Anderson, Warwick: Committing to Science: Jeanne Baret and the Botanical World of the 18th Century. University of Chicago Press, 2018.
Aldrich, Martha: Jeanne Baret: The Woman Who Sailed Around the World. Routledge, 2003.
Schiebinger, Londa: Plants and Empire: Colonial Bioprospecting in the Atlantic World. Harvard University Press, 2004.
Blunt, Wilfrid: The Art of Botanical Illustration: Jeanne Baret and 18th-Century Expeditions. Thames & Hudson, 1994.
Women in Science: Jeanne Baret Biography. Smithsonian Institution Archives, Washington D.C.
Aldrich, Martha: Jeanne Baret: The Woman Who Sailed Around the World. Routledge, 2003.
Schiebinger, Londa: Plants and Empire: Colonial Bioprospecting in the Atlantic World. Harvard University Press, 2004.
Blunt, Wilfrid: The Art of Botanical Illustration: Jeanne Baret and 18th-Century Expeditions. Thames & Hudson, 1994.
Women in Science: Jeanne Baret Biography. Smithsonian Institution Archives, Washington D.C.