clara schumann
Das multitalent
Clara Wieck und Beethoven
(F-moll-Sonate)
von Franz Grillparzer 1838
(F-moll-Sonate)
von Franz Grillparzer 1838
Ein Wundermann, der Welt, des Lebens satt,
Schloß seine Zauber grollend ein
In festverwahrten, demantharten Schrein,
Und warf den Schlüssel in das Meer und starb.
Die Menschlein mühen sich geschäftig ab,
Umsonst! kein Sperrzeug löst das harte Schloß,
Und seine Zauber schlafen wie ihr Meister.
Ein Schäferkind, am Strand des Meeres spielend,
Sieht zu der hastig unberufnen Jagd.
Sinnvoll gedankenlos, wie Mädchen sind,
Senkt sie die weißen Finger in die Flut
Und faßt, und hebt, und hats. – Es ist der Schlüssel!
Auf springt sie, auf, mit höhern Herzensschlägen,
Der Schrein blinkt wie aus Augen ihr entgegen,
Der Schlüssel paßt. Der Deckel fliegt. Die Geister,
Sie steigen auf und senken dienend sich
Der anmutreichen, unschuldsvollen Herrin,
Die sie mit weißen Fingern, spielend, lenkt.
Schloß seine Zauber grollend ein
In festverwahrten, demantharten Schrein,
Und warf den Schlüssel in das Meer und starb.
Die Menschlein mühen sich geschäftig ab,
Umsonst! kein Sperrzeug löst das harte Schloß,
Und seine Zauber schlafen wie ihr Meister.
Ein Schäferkind, am Strand des Meeres spielend,
Sieht zu der hastig unberufnen Jagd.
Sinnvoll gedankenlos, wie Mädchen sind,
Senkt sie die weißen Finger in die Flut
Und faßt, und hebt, und hats. – Es ist der Schlüssel!
Auf springt sie, auf, mit höhern Herzensschlägen,
Der Schrein blinkt wie aus Augen ihr entgegen,
Der Schlüssel paßt. Der Deckel fliegt. Die Geister,
Sie steigen auf und senken dienend sich
Der anmutreichen, unschuldsvollen Herrin,
Die sie mit weißen Fingern, spielend, lenkt.
Clara Schumann Biografie
von Ellinor Amini
von Ellinor Amini
Clara Schumann (1819–1896) wird als Clara Wieck in Leipzig geboren und wächst unter den strengen Augen ihres musikalisch ehrgeizigen Vaters auf, der sie von klein auf zur Pianistin trimmt. Sie hat keine Freunde oder Spielzeug, darf nicht zur Schule gehen, denn das Schreiben würde ihre Finger nur unnütz ermüden. Nach der frühen Trennung der Eltern muss das junge Mädchen nach den strammen Vorstellungen des Vaters Klavier üben und hat schnell Erfolg damit. Auch dank seiner Organisation von Konzertreisen und des disziplinierten Trainings hatte Clara Schumann als Pianistin große Erfolge in Deutschland und Österreich, für die der Vater aber das meiste ihrer hart verdienten Gage behält und in sein Geschäft investiert. Ihre Kompositionen finden wenig Anerkennung.
Ein weiterer Klavierschüler ihres Vaters ist Robert Schumann, für den sie schon als 9-Jährige schwärmt und den sie später nach jahrelangem Widerstand des Vaters heiratet.
Während der Ehe mit Robert Schumann ordnet sie ihre eigene Karriere der ihres Mannes unter, doch ihr fehlt das Spiel und der Jubel des Publikums. Sie übt nie Klavier, wenn er zu Hause ist, damit er sich in seiner Arbeit nicht gestört fühlt. Die beiden leben in einer für ihre Zeit recht gleichberechtigten Beziehung, in der sie sich gegenseitig sehr lieben und schätzen. Für ihn allerdings ist das häusliche Glück das wahre Glück, wenn er komponieren kann und Clara Schumann sich um Haus, Familie und Gäste kümmert – doch das ist Clara nicht genug. Bald schon gibt sie wieder Konzerte und begibt sich mit und ohne ihren Ehemann auf lange Tourneen durch Deutschland, Dänemark und Russland, wo sie sehr gefeiert wird.
Während der Ehe mit Robert Schumann ordnet sie ihre eigene Karriere der ihres Mannes unter, doch ihr fehlt das Spiel und der Jubel des Publikums. Sie übt nie Klavier, wenn er zu Hause ist, damit er sich in seiner Arbeit nicht gestört fühlt. Die beiden leben in einer für ihre Zeit recht gleichberechtigten Beziehung, in der sie sich gegenseitig sehr lieben und schätzen. Für ihn allerdings ist das häusliche Glück das wahre Glück, wenn er komponieren kann und Clara Schumann sich um Haus, Familie und Gäste kümmert – doch das ist Clara nicht genug. Bald schon gibt sie wieder Konzerte und begibt sich mit und ohne ihren Ehemann auf lange Tourneen durch Deutschland, Dänemark und Russland, wo sie sehr gefeiert wird.
Doch Robert Schumann findet sich nicht in der Rolle des Ehemanns und Impresarios wieder und seine Depressionen werden auch bald für seine Frau unübersehbar. Nach dem Umzug 1844 nach Dresden übernimmt Clara Schumann nun viele Pflichten ihres Mannes, pflegt ihn in seinen depressiven Phasen, kümmert sich um die weiter wachsende Familie, sorgt mit Konzerten und Unterricht für den Unterhalt der Familie und komponiert auch selbst wieder. All das meist hochschwanger. Innerhalb von 13 Ehejahren bringt sie acht Kinder zur Welt und übersteht alle Geburten unbeschadet. Ihr Auftreten in dieser Zeit ist auf einige wenige Konzerte in Dresden und Leipzig beschränkt, doch sind diese bedeutende musikalische Ereignisse, wie Erstaufführungen von Werken ihres Ehemannes. Nach einem Umzug der Familie wegen einer neuen Anstellung Robert Schumanns in Düsseldorf 1850 verschlechtert sich Robert Schumanns sein Zustand weiter, er versucht sich das Leben zu nehmen. Clara Schumann stellt sich wie eine Löwin vor ihren Mann und versucht sein sensibles Wesen vor der Außenwelt zu schützen.
Doch sein Zustand verschlimmert sich weiter bis Robert Schumann 1854 nach einem Selbstmordversuch in eine Nervenheilanstalt eingeliefert wird. Hier trennen sich knapp zweieinhalb Jahre lang ihre Wege, denn die Ärzte verordnen dem Komponisten ein Besuchsverbot seiner Familie. Freunde, die Robert Schumann besuchen, müssen Clara Bericht erstatten und sie versucht postalisch mit ihrem Ehemann den Kontakt zu halten. Um seinen Aufenthalt in der Klink und den Unterhalt ihrer großen Familie zu sichern, gibt Clara Schumann wieder Konzerte, denn von ihrem Publikum bekommt sie nun die Aufmerksamkeit, die ihr von ihrem geliebten Ehemann verwehrt ist. Die Musik und eine enge Freundschaft mit dem jungen Johannes Brahms sind wichtige Anker in ihrem zerrütteten Leben. Erst in der Woche vor seinem Tod darf Clara Schumann ihren Mann noch zweimal sehen, er ist aber schon nicht mehr ansprechbar. Als er stirbt, ist Clara Schumann erleichtert, dass er nun von seinem Leiden erlöst ist. Als Witwe wirkt Clara Schumann für viele fast übermenschlich mit ihrer Ruhe und ihrem selbstsicheren Auftreten, ob im Privaten oder auf der Bühne. Wieder mindert das Musizieren ihr Leiden und trotz ständiger Konzertreisen (teils ist sie 10 Monate im Jahr unterwegs) kümmert sie sich auch sorgfältig um die Unterbringung und Erziehung ihrer acht Kinder, die bei Freunden, in Internaten oder zu Hause bei den Hausangestellten versorgt werden. Doch sie bestärkt keines ihrer Kinder in einer eigenen musikalischen Karriere, denn sie weiß aus eigener Erfahrung, was für ein hartes Leben das ist.
Doch sein Zustand verschlimmert sich weiter bis Robert Schumann 1854 nach einem Selbstmordversuch in eine Nervenheilanstalt eingeliefert wird. Hier trennen sich knapp zweieinhalb Jahre lang ihre Wege, denn die Ärzte verordnen dem Komponisten ein Besuchsverbot seiner Familie. Freunde, die Robert Schumann besuchen, müssen Clara Bericht erstatten und sie versucht postalisch mit ihrem Ehemann den Kontakt zu halten. Um seinen Aufenthalt in der Klink und den Unterhalt ihrer großen Familie zu sichern, gibt Clara Schumann wieder Konzerte, denn von ihrem Publikum bekommt sie nun die Aufmerksamkeit, die ihr von ihrem geliebten Ehemann verwehrt ist. Die Musik und eine enge Freundschaft mit dem jungen Johannes Brahms sind wichtige Anker in ihrem zerrütteten Leben. Erst in der Woche vor seinem Tod darf Clara Schumann ihren Mann noch zweimal sehen, er ist aber schon nicht mehr ansprechbar. Als er stirbt, ist Clara Schumann erleichtert, dass er nun von seinem Leiden erlöst ist. Als Witwe wirkt Clara Schumann für viele fast übermenschlich mit ihrer Ruhe und ihrem selbstsicheren Auftreten, ob im Privaten oder auf der Bühne. Wieder mindert das Musizieren ihr Leiden und trotz ständiger Konzertreisen (teils ist sie 10 Monate im Jahr unterwegs) kümmert sie sich auch sorgfältig um die Unterbringung und Erziehung ihrer acht Kinder, die bei Freunden, in Internaten oder zu Hause bei den Hausangestellten versorgt werden. Doch sie bestärkt keines ihrer Kinder in einer eigenen musikalischen Karriere, denn sie weiß aus eigener Erfahrung, was für ein hartes Leben das ist.
In ihren letzten Lebensjahren werden ihr und ihren Kompositionen einige Veranstaltungen gewidmet, was sie sehr freut. Doch mit dem Alter nehmen auch gesundheitliche Probleme wie Rheumaanfälle, Lampenfieber, Arthritis und Schwerhörigkeit zu und sie muss ihre Auftritte vor Publikum immer weiter einschränken. Trotzdem ist für Clara Schumann die Musik ein Lebenselixier und sie geht bis zu ihrem Schlaganfalltod 1896 einer Lehrtätigkeit in Frankfurt nach.
Clara Schumann heute
Clara Schumanns Leben bewegte sich im Spannungsfeld zwischen öffentlicher künstlerischer Exzellenz und einer patriarchalen Gesellschaftsordnung, die Frauen* zugleich förderte und systematisch begrenzte. Im 19. Jahrhundert war weibliche Professionalität im Musikleben nur bedingt akzeptiert und meist an Disziplin, Anpassung und dienende Rollen geknüpft. Ihre frühe Ausbildung als „Wunderkind“ erfolgte unter strenger Kontrolle des Vaters und verband außergewöhnliche Förderung mit massiver Fremdbestimmung, was ihre Handlungsspielräume von Beginn an strukturierte.
So entwickelte Clara Schumann eine international sichtbare Karriere als Pianistin und war zugleich Konzertmanagerin, Pädagogin, Herausgeberin und Netzwerkerin. Parallel trug sie die Hauptlast von Care-Arbeit: Kindererziehung, Haushaltsorganisation, Reisen, wirtschaftliche Sicherung der Familie und war die psychische Stütze ihres Ehemannes. Diese strukturelle Vielfachbelastung entsprach zeitgenössischen Rollenbildern und schränkte ihre Möglichkeiten zur kontinuierlichen kompositorischen Arbeit ein. Interpretativ lässt sich annehmen, dass diese Überlastung maßgeblich zu ihrem eher kleinen kompositorischen Œuvres beitrug.
In der Ehe mit Robert Schumann übernahm Clara neben emotionaler Stabilisierung auch zentrale künstlerische Aufgaben: Sie spielte, verbreitete und kanonisierte seine Werke. Zeitgenössische Hinweise legen nahe, dass Robert ihre größere Popularität zeitweise als Bedrohung wahrnahm und weiter zu seiner psychischen Instabilität beigetragen haben kann. Diese Dynamik verstärkte die historische Lesart ihrer Arbeit als unterstützend statt eigenständig und trug zur Unsichtbarmachung ihrer Autorinnenschaft bei.
So entwickelte Clara Schumann eine international sichtbare Karriere als Pianistin und war zugleich Konzertmanagerin, Pädagogin, Herausgeberin und Netzwerkerin. Parallel trug sie die Hauptlast von Care-Arbeit: Kindererziehung, Haushaltsorganisation, Reisen, wirtschaftliche Sicherung der Familie und war die psychische Stütze ihres Ehemannes. Diese strukturelle Vielfachbelastung entsprach zeitgenössischen Rollenbildern und schränkte ihre Möglichkeiten zur kontinuierlichen kompositorischen Arbeit ein. Interpretativ lässt sich annehmen, dass diese Überlastung maßgeblich zu ihrem eher kleinen kompositorischen Œuvres beitrug.
In der Ehe mit Robert Schumann übernahm Clara neben emotionaler Stabilisierung auch zentrale künstlerische Aufgaben: Sie spielte, verbreitete und kanonisierte seine Werke. Zeitgenössische Hinweise legen nahe, dass Robert ihre größere Popularität zeitweise als Bedrohung wahrnahm und weiter zu seiner psychischen Instabilität beigetragen haben kann. Diese Dynamik verstärkte die historische Lesart ihrer Arbeit als unterstützend statt eigenständig und trug zur Unsichtbarmachung ihrer Autorinnenschaft bei.
Zu Lebzeiten war Clara Schumann eine der gefeiertsten Pianistinnen Europas, während ihre Kompositionen früh marginalisiert wurden. Komponieren galt als männlich konnotierte schöpferische Arbeit, während interpretierende Tätigkeiten Frauen eher zugestanden wurden. Die langfristige Abwertung ihres Œuvres ist daher strukturell zu erklären. Erst seit den 1980er Jahren setzte eine feministische Neubewertung durch Forschung, Editionen und Aufführungen ein.
Clara Schumanns Erinnerungskultur ist ambivalent: Symbolische Anerkennungen (Jubiläen, Denkmäler, 100-DM-Schein) stehen einer weiterhin selektiven Sichtbarkeit gegenüber. Ihre Rolle als Multitalent, eigenständige Komponistin und Kulturproduzentin bleibt im öffentlichen Kanon unterrepräsentiert. Diese Form der Erinnerung reproduziert historische Geschlechterasymmetrien, statt sie konsequent zu korrigieren.
Fazit: Clara Schumann war absolutes Multitalent und eine der bedeutendsten Musikerinnen ihrer Zeit, deren Leistungen jedoch lange nicht in ihrer ganzen Breite anerkannt wurden. Ihre Unterbewertung ist weniger auf persönliche Entscheidungen zurückzuführen als auf gesellschaftliche Strukturen, die Frauen vor allem unterstützende Rollen zuschrieben. Eine feministische Einordnung zeigt, dass Clara Schumann nicht nur als herausragende Pianistin, sondern auch als eigenständige Komponistin und prägende Gestalter*in des Musiklebens verstanden werden muss.
Clara Schumanns Erinnerungskultur ist ambivalent: Symbolische Anerkennungen (Jubiläen, Denkmäler, 100-DM-Schein) stehen einer weiterhin selektiven Sichtbarkeit gegenüber. Ihre Rolle als Multitalent, eigenständige Komponistin und Kulturproduzentin bleibt im öffentlichen Kanon unterrepräsentiert. Diese Form der Erinnerung reproduziert historische Geschlechterasymmetrien, statt sie konsequent zu korrigieren.
Fazit: Clara Schumann war absolutes Multitalent und eine der bedeutendsten Musikerinnen ihrer Zeit, deren Leistungen jedoch lange nicht in ihrer ganzen Breite anerkannt wurden. Ihre Unterbewertung ist weniger auf persönliche Entscheidungen zurückzuführen als auf gesellschaftliche Strukturen, die Frauen vor allem unterstützende Rollen zuschrieben. Eine feministische Einordnung zeigt, dass Clara Schumann nicht nur als herausragende Pianistin, sondern auch als eigenständige Komponistin und prägende Gestalter*in des Musiklebens verstanden werden muss.
Quellen
Reich, Nancy B.: Clara Schumann. Romantik als Schicksal. Reinbek bei Hamburg 1993.
Litzmann, Berthold: Clara Schumann. Ein Künstlerleben. Erster Band. Mädchenjahre 1819-1840. Leipzig 1902.
Die Pianistin
100 DM Schein
Die Komponistin
Foto: Ellinor Amini
Foto Hannah Katinka Beck