Lili Elbe
Dänische Pianistin und transgender frau
Herz-Dame

Ellinor Amini 2021
Collage und Acryl auf Leinwand
50 x 70 cm
Foto: Fabio Smitka

Lili Elbe Biografie
von Ellinor Amini
Triggerwarnung: Diese Biografie enthält medizinische Eingriffe, geschlechtsangleichende Operationen, körperliche Risiken, psychische Belastungen, Diskriminierung aufgrund von Geschlecht und Transidentität
Lili Elbe (1882–1931) war eine dänische Malerin und eine der ersten bekannten Transgender-Personen der Geschichte, die sich einer geschlechtsangleichenden Operation unterzog. Ihr Leben und ihre öffentliche Sichtbarmachung und Sichtbarkeit markieren einen Wendepunkt in der Geschichte der Transgender-Personen. Lili Elbe wird als Pionierin der Trans-Repräsentation und der medizinischen Geschlechtsangleichung angesehen. Ihre Biografie wirft zugleich ein Licht auf die gesellschaftlichen Herausforderungen, medizinische Risiken und gesellschaftliche Stigmatisierung, die trans Personen Anfang des 20. Jahrhunderts erfuhren.
Lili wurde 1882 als Einar Wegener in Kopenhagen geboren und studierte Kunst an der Kunstakademie ihrer Heimatstadt. Zunächst machte sie sich einen Namen als Landschafts- und Porträtmaler in Dänemark, später in Berlin.
Lili Elbe war verheiratet mit der Künstlerin Gerda Gottlieb (später Gerda Wegener), die sie in ihrer Selbstentdeckung unterstützte. Gerda malte viele Porträts von Lili, die deren weibliche Identität künstlerisch dokumentierten und öffentlich sichtbar machten. In den 1920er-Jahren begann Lili Elbe, als Frau zu leben und suchte medizinische Unterstützung für eine Geschlechtsangleichung.
1926 unterzog sie sich in Deutschland bei Dr. Magnus Hirschfelds Institut für Sexualwissenschaft und anderen Ärzt*innen den ersten von mehreren chirurgischen Eingriffen, die als Teil der frühen Entwicklung der geschlechtsangleichenden Chirurgie gelten. Lili Elbes Mut machte sie international bekannt, doch die Behandlungen waren riskant: 1930 erkrankte sie schwer nach einer der letzten Operationen und starb am 13. September 1931 in Dresden.

Lili Elbe Heute
Lili Elbes Leben lässt sich nur im historischen Kontext der frühen Moderne, der Geschlechterforschung und der medizinischen Entwicklung der Geschlechtsangleichung verstehen. Sie ist ein Schlüsselbeispiel für die strukturellen und sozialen Barrieren, denen trans Personen im frühen 20. Jahrhundert begegneten, und für die Möglichkeiten individueller Selbstbestimmung trotz gesellschaftlicher Marginalisierung.
Sie begann ihre Karriere als Maler*in, zunächst unter ihrem Geburtsnamen Einar Wegener. Ihre künstlerische Arbeit ist eng verbunden mit der Entwicklung ihrer geschlechtlichen Identität, insbesondere durch die Porträts, die ihre Ehefrau Gerda Wegener von ihr malte. Historisch zeigt sich, dass künstlerische Praxis und persönliche Identität einander beeinflussten und dass Elbe ihre Selbstwahrnehmung künstlerisch ausdrücken konnte – trotz gesellschaftlicher heteronormativer Konventionen.
Die geschlechtsangleichenden chirurgischen Eingriffe, denen Lili Elbe sich unterzog, markieren die frühe Geschichte der Geschlechtsangleichung und des medizinischen Experiments mit Transkörpern. Kritisch betrachtet zeigen diese Operationen die Ambivalenz: Sie ermöglichten körperliche Selbstbestimmung, waren aber gleichzeitig extrem risikobehaftet und spiegeln die Abhängigkeit von medizinischen Expert*innen und patriarchalen Strukturen wider, die Transpersonen damals stark kontrollierten.
Ihr Leben wurde öffentlich bekannt durch ihre Autobiografie „Man Into Woman“ und die darauf folgende mediale Berichterstattung. Doch die Rezeption war häufig sensationsorientiert und pathologisierend. Historisch ist festzuhalten, dass Transpersonen in dieser Epoche meist als Kuriositäten oder medizinische Objekte dargestellt wurden, während ihre politischen und persönlichen Rechte kaum berücksichtigt wurden.
Die Beziehung zu Gerda Wegener war nicht nur persönlich bedeutsam, sondern auch gesellschaftlich subversiv. Die Ehe war ein gesellschaftlich akzeptierter Rahmen und Grauzone, der Lili erlaubte, ihre weibliche Identität sichtbar zu machen, und schuf einen künstlerischen und sozialen Raum, in dem nonkonforme Geschlechterrollen praktiziert werden konnten. Kritisch ist zu beachten, dass diese Unterstützung gleichzeitig auf Privilegien wie Zugang zu Kunstkreisen und medizinischer Versorgung beruhte, die vielen Transpersonen damals, wie heute noch, verwehrt blieben.
Fazit: Lili Elbes Leben zeigt die Ambivalenz von Selbstbestimmung und struktureller Kontrolle: Ihre Schritte zur Transition waren historisch bahnbrechend, aber zugleich stark durch gesellschaftliche, medizinische und ökonomische Machtverhältnisse eingeschränkt. Sie ist heute ein Symbol für Trans-Repräsentation und die Geschichte der Geschlechtsangleichung, und ihr Leben verdeutlicht die strukturellen Barrieren und Risiken, denen trans Personen im frühen 20. Jahrhundert ausgesetzt waren, sowie die Möglichkeiten, künstlerische, soziale und persönliche Handlungsspielräume zu schaffen.
quellen
Meyerowitz, Joanne: How Sex Changed: A History of Transsexuality in the United States. Harvard University Press, 2002.
Elbe, Lili; Jensen, Niels Hoyer: Man Into Woman. Boni & Liveright, 1933.
Hirschfeld, Magnus: Sexualwissenschaftliche Schriften, Institut für Sexualwissenschaft, Berlin, 1919–1933.
Meyerowitz, Joanne: Sex Change, Social Change: Reflections on the Twentieth-Century Transsexual Experience. In: Gender & Society, 2001.
Norton, Rictor: Mother Clap’s Molly House and the Early History of Transgender Lives. London: Routledge, 2010.

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