Ella Fitzgerald & Marilyn Monroe
Empowerment queens
GRL PWR
Ellinor Amini 2021
Collage, Tusche und Sprayfarbe auf Leinwand
50 x 70 cm
Foto: Fabio Smitka
Ella Fitzgerarld & Marylin Monroe
Von Ellinor Amini
Triggerwarnung: Diese Biografie enthält rassistische und körperliche Diskriminierung
Ella Fitzgerald war eine Jazz-Ikone des 20. Jahrhunderts mit einer fast 60-jährigen Karriere. Sie sang Swing, Blues, Bossa Nova, Samba und noch viele andere Richtungen und wurde als "First Lady of Song" gefeiert. Ihre markante Gesangsart – der Scatgesang – hat sie selbst entwickelt. Sie erlaubte ihr in einem Stimmumfang von drei Oktaven zu singen und wie ein Jazz-Instrumentalist zu improvisieren. 
Trotzdem wurde sie anfangs aufgrund ihres Körpers diskriminiert und von vielen Konzerten ausgeschlossen. Im Nightclub "Mocambo" auf dem Sunset Boulevard in West Hollywood sollte Fitzgerald nicht auftreten, da Inhaber Charles Morrison sie „nicht glamourös“ genug fand – dies war kein Euphemismus für Diskriminierung, da Eartha Kitt bereits ein Jahr zuvor dort aufgetreten war – Ella Fitzgerald war ihm schlichtweg zu korpulent und entsprach nicht dem Schönheitsideal der Zeit. Fitzgerald hatte jedoch in Marilyn Monroes einen großen und einflussreichen Fan und Verbündete gegen die Frauenfeindlichkeit der Musikbranche. Monroe war gern gesehener Gast im "Mocambo", da sie für gewöhnlich viel Publicity sorgte und viele Fotografen anlockte. Monroe setzte sich für Fitzgerald ein und machte einen Deal mit Morrison – wenn er Ella Fitzgerald engagieren würde, würde sie für die Länge des Engagements jeden Abend einen Tisch in der ersten Reihe buchen. Das garantierte Morrison die gewünschte Aufmerksamkeit durch die Presse und Ella Fitzgerald durfte auftreten.
Monroe saß, wie versprochen, jeden Abend am vordersten Tisch. Dieser Auftritt im "Mocambo" bedeutete für Fitzgerald der Beginn ihrer Solokarriere und machte sie auf einen Schlag zu einer der gefragtesten Sängerinnen ihrer Zeit. 

Einordnung
Ella Fitzgeralds Leben und Werk entfalteten sich im Spannungsfeld zwischen herausragender künstlerischer Leistung und struktureller Ausgrenzung aufgrund von Rassismus, Sexismus und normativer Körperpolitik. Als Schwarze Sängerin im US-amerikanischen Unterhaltungsbetrieb der 1930er bis 1960er Jahre war sie mit Segregation, begrenztem Zugang zu prestigeträchtigen Bühnen und einem stark rassifizierten Schönheitsideal konfrontiert. Anerkennung hing nicht allein von musikalischer Qualität ab, sondern von Macht, Sichtbarkeit und gesellschaftlicher Anschlussfähigkeit.
Aus heutiger Sicht wird deutlich, wie weibliche Körper im Musikbetrieb bewertet und kontrolliert wurden. Fitzgeralds technische Virtuosität, ihr innovativer Scatgesang und ihr außergewöhnlicher Stimmumfang standen im starken Kontrast zur frühen Ablehnung, die sie aufgrund ihres Körpers erfuhr. Die Intervention von Marilyn Monroe – einer weißen, extrem berühmten und gesellschaftlich privilegierten Frau – macht diese Machtasymmetrien sichtbar. Monroes Engagement für Fitzgerald zeigt, wie rassistische und sexistische Ausschlüsse durch Fürsprache aus privilegierten Positionen kurzfristig durchbrochen werden konnten. Zugleich verweist diese Episode auf die strukturelle Ungleichheit: Fitzgeralds Zugang zu zentralen Bühnen war nicht selbstverständlich, sondern abhängig von externer Unterstützung.
Fitzgerald wurde früh zur Ikone stilisiert, doch diese Ikonisierung verdeckte häufig die Bedingungen ihres Erfolgs. Ihre Karriere wird oft als Erfolgsgeschichte individuellen Talents erzählt, während die Rolle von Netzwerken, Solidarität unter Frauen* und gezieltem Einsatz von gesellschaftlichem Einfluss – wie im Fall Monroe – marginalisiert bleibt. Die Freundschaft zwischen Fitzgerald und Monroe wird dabei nicht nur als persönliche Verbindung, sondern als politisch wirksame Allianz lesbar, die bestehende Ausschlussmechanismen sichtbar machte.
In der heutigen Erinnerungskultur steht Ella Fitzgerald als „First Lady of Song“ für musikalische Exzellenz und zeitlose Eleganz. Weniger präsent ist die kritische Auseinandersetzung mit den Machtverhältnissen, die ihre Karriere prägten, ebenso wie Monroes aktive Rolle als Verbündete gegen Diskriminierung. Eine feministische Erinnerungskultur betont daher nicht nur Fitzgeralds Leistung, sondern auch die Bedeutung solidarischer Unterstützung über gesellschaftliche Grenzen hinweg – ohne dabei die strukturelle Abhängigkeit solcher Allianzen zu romantisieren.
Fazit: Ella Fitzgeralds Karriere verdeutlicht, dass künstlerischer Erfolg für Schwarze Frauen* im 20. Jahrhundert nicht nur eine Frage des Könnens war, sondern auch des Zugangs zu Macht und Sichtbarkeit. Die Freundschaft mit Marilyn Monroe zeigt, wie solidarisches Handeln aus privilegierten Positionen diskriminierende Strukturen punktuell aufbrechen konnte – zugleich macht sie deutlich, wie ungerecht ein System ist, das solche Interventionen überhaupt notwendig macht. 

Quellen

https://www.sueddeutsche.de/kultur/jazz-ella-fitzgerald-1.5159716
https://themarilynreport.com/2023/12/09/beyond-the-legend-marilyn-and-ella-fitzgerald/

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