Rosemary kennedy
die Kaiserin
… die schön war und liebreizend wie ein Frühlingsmorgen …
Kaiserin richardis Biografie
von Jürgen Schneider
von Jürgen Schneider
Hinter jedem starken Manne steht … Genau, und so ist in dieser Geschichte die Starke eben eine Frau und so heißt sie auch: Richardis (die reiche Starke, althochdeutsch). Die Anfänge der Geschichte von Ottoschwanden liegen im Dunkeln, es gibt keine Quellen zu dem Namensgeber des Freiämter Ortsteiles. War dieser Otto ein Kleinadliger, ein Sippenführer, ein ...? Wie auch immer, zunächst hatte in jedem Fall eine Frau den Hut auf: Richardis. Gehen wir tausend und mehr Jahre zurück, in die Zeit, als hier die Karolinger das Sagen hatten. Ludwig der Deutsche war König und Sohn Karl der Dicke sein Nachfolger. Dieser heiratete 862 die elsässische Grafentochter Richardis, und als Morgengabe gab es für die junge Braut unter anderem Besitztümer in Sexau, (Kiechlings-)Bergen, Endingen und Bahlingen. Das war damals so üblich, sollte die Blaublütige doch im Falle des Ablebens ihres Ritters gut versorgt sein. Bei den damals herrschenden Lebensumständen und bei den dauernd anstehenden kleinen Fehden und großen Kriegen war die Halbwertszeit so eines Schwertträgers oft nicht besonders hoch.
Fehlende Aktenlagen werden zumeist durch Legenden und Sagen überbrückt und so soll Gott auf dem Odilienberg zu Richardis gesprochen und ihr den Auftrag zum Bau eines Klosters erteilt haben. Oder war es doch ein Pilger oder war die richtige Stelle dort, wo eine Bärin ihre toten Jungen begrub? Angeblich hatte Richardis die toten Bärenkinder wieder ins Leben zurückgeholt. Auf allen Statuen und Bildern wird Richardis mit einer Bärin zu Füßen dargestellt.
Im Jahre 880 kam es zur Gründung der Abtei Andlau, am Ostrand der Vogesen, im heutigen Département Bas-Rhin. Für einen guten Start gab es vom Ehemann noch Besitzungen in Kenzingen samt dem unerschlossenen Hinterland. Wann sich nun dieser Otto auf die Reise gemacht hat, um die unwirtliche Wildnis auf der Höhe durch Brandrodung ("Schwenden" nannte man das Roden durch Feuer, daher die Schwendung des Otto) urbar zu machen, ist leider nicht belegt. Der Name Ottoschwanden wird erst 1275 aktenkundig, als der Plebanus in Otenswan juravit (der Pfarrer in Ottoschwanden schwört), für den von Papst Gregor X. initiierten Kreuzzug sechs Jahre lang zehn Prozent der Pfarrpfründe abzugeben.
So weit so gut, nur ihrer ureigensten Aufgabe für die damalige Zeit als römische Kaiserin (seit 881) kam Richardis wohl nicht nach: es fehlte der Thronfolger. Am Dicken, zwischenzeitlich zum Kaiser Karl III. aufgestiegen, konnte es scheinbar nicht gelegen haben, hatte er doch schon den unehelichen Bernhard (geb. 876) mit seiner Konkubine gezeugt. Richardis dagegen argumentierte, dass sie in den bisherigen 25 Ehejahren „nie in fleischlicher Umarmung zusammengelegen“ sind. Bei Hofe wurde intrigiert und Richardis ein Verhältnis mit des Kaisers engstem Berater, Bischof Liutward von Vercelli, unterstellt.
Richardis selbst war nach zeitgenössischen Schriftstellern mit vollendeter Schönheit und den reichsten Geistesgaben ausgestattet.
Richardis beteuerte ihre Unschuld und forderte ein Gottesurteil. Barfuß soll sie über glühende Pflugscharen gegangen sein und es heißt: „Das bewerte Richard damitte, dass sue ein gewichsset [gemeint ist ein brennendes, gewachstes Hemd] Hemede ane det, und domit in ein Für ging, und blieb unversehrt von dem Füer.“ Andere Quellen dementieren diese Version, danach hat man den lieben Gott in diesem Falle wohl vorsorglich außen vorgelassen. Wer wollte schon dieses Risiko eingehen und bei einem negativen Ergebnis den Kaiser zum Gespötte des Hofes werden lassen? Da hat man lieber den Bischof entmachtet und in die Verbannung geschickt. Wie es auch gewesen sein mag, Richardis wird für ihre Wundertaten in der katholischen Kirche als Heilige verehrt; ihr Gedenktag ist der 18. September.
Sollte sie den Gang tatsächlich angetreten haben, dann überstand sie ihn zwar unbeschadet, aber eben nicht die Ehe. Richardis verließ den Hof und ging ins Kloster Andlau; dort übernahm sie die Rolle der Äbtissin.
Die Äbtissin kam dreimal jährlich, zu St. Martin (November), Lichtmess (Februar) und Walpurgis (Mai), über den Rhein, um mit dem jeweiligen Vogt die hohe Gerichtsbarkeit bei den Dinghöfen im Breisgau auszuüben. In Ottoschwanden traf sich das Ding (Gericht) auf dem Lindenplatz, dort wo jetzt der 1786 neu erbaute Freihof steht. Quartier nahm die Äbtissin beim Schultheiß, der verpflichtet war, ihr ymbis und eine nachtselde zu geben.
Sollte sie den Gang tatsächlich angetreten haben, dann überstand sie ihn zwar unbeschadet, aber eben nicht die Ehe. Richardis verließ den Hof und ging ins Kloster Andlau; dort übernahm sie die Rolle der Äbtissin.
Die Äbtissin kam dreimal jährlich, zu St. Martin (November), Lichtmess (Februar) und Walpurgis (Mai), über den Rhein, um mit dem jeweiligen Vogt die hohe Gerichtsbarkeit bei den Dinghöfen im Breisgau auszuüben. In Ottoschwanden traf sich das Ding (Gericht) auf dem Lindenplatz, dort wo jetzt der 1786 neu erbaute Freihof steht. Quartier nahm die Äbtissin beim Schultheiß, der verpflichtet war, ihr ymbis und eine nachtselde zu geben.
Im Jahre 1344 verkaufte die Äbtissin von Andlau, Adelheid von Geroldseck, den Besitz in Ottoschwanden an Markgraf Heinrich IV. von Hachberg. Vom zeitlichen Ablauf her wird Richardis wohl kaum in Ottoschwanden gewesen sein, aber es bleibt die Kausalität zwischen Vermehrung von zinsbarem Klosterbesitz und dem Dorf nah am Himmel. Richardis starb vermutlich 909. Die Abtei wurde während der Französischen Revolution (1789–1799) aufgelöst; vom Kloster stehen heute noch die Abteikirche und das ehemalige Palais der Äbtissinnen.
Kaiserin richardis Heute
von Ellinor Amini
von Ellinor Amini
Das Leben von Richardis spielt sich in einer Zeit extremer patriarchaler Strukturen ab, in der Macht, Besitz und politische Stabilität primär Männern vorbehalten waren. Sie stand als Ehefrau des späteren Kaisers Karl III. zwischen dynastischen Erwartungen, höfischer Intrige und der Verantwortung für Besitzungen und Klostergründungen. Gleichzeitig zeigt ihr Leben die Spannungen zwischen öffentlicher Rolle, Ehepflichten und persönlicher Integrität: Obwohl sie zur römischen Kaiserin bestimmt war, blieb ihr der erhoffte Thronfolger verwehrt, und sie wurde mit Vorwürfen konfrontiert, die ihr die treue und moralisch einwandfreie Haltung absprachen. Ihre Selbstbehauptung in dieser Umgebung verdeutlicht die Konflikte, die Frauen dieser Zeit trotz ihres formalen Status erleben mussten.
Richardis nutzte die ihr zugestandenen Ressourcen – Mitgift, Besitzungen, politische Stellung – aktiv, um eigene Entscheidungen zu treffen. Indem sie ein Gottesurteil forderte und sich der Intrige am Hof widersetzte, setzte sie sich in einer stark männlich dominierten Welt durch. Ihre anschließende Rückkehr ins Kloster Andlau und die Übernahme der Äbtissinnenrolle markieren eine gezielte Selbstpositionierung: Sie verlässt die patriarchale Ehe und gestaltet fortan als religiöse und politische Führungsperson ihren Handlungsspielraum selbst. Trotz der historischen Distanz zeigt sich hier, dass Frauen in Machtpositionen auch unter extrem eingeschränkten Möglichkeiten politische und soziale Verantwortung übernehmen konnten. Spekulativ bleibt, wie ihre Beziehungen zum Kaiser und zu Bischof Liutward tatsächlich verlaufen sind; die Quellenlage lässt nur legendenhafte oder theologisch überhöhte Interpretationen zu.
Die Erinnerung an Richardis ist stark geprägt von Legenden, Wundergeschichten und kirchlicher Heiligenverehrung, während die politischen und organisatorischen Leistungen weitgehend marginalisiert werden. Ihre Rolle bei der Gründung und Leitung des Klosters Andlau, bei der Verwaltung von Besitzungen und bei der Rechtsprechung über die Dinghöfe wird in den meisten Quellen nur am Rande behandelt. Richardis’ Eigenständigkeit, ihr strategisches Handeln und ihr Einfluss auf territoriale sowie kirchliche Strukturen erscheinen somit im historischen Kanon oft verkürzt oder mythisiert.
Richardis wird heute vor allem durch sakrale Erinnerung sichtbar: Als Heilige der katholischen Kirche, deren Gedenktag am 18. September begangen wird, steht sie für Moral, Wundertaten und frommes Handeln. Die Abtei Andlau als physisches Zeugnis ihrer Tätigkeit, die noch erhaltene Abteikirche und das Palais der Äbtissinnen, markieren die materielle Erinnerung an ihre Position und Leistung. Öffentliche Darstellungen betonen oft ihre Legenden (Gang über glühende Pflugscharen, Rettung der Bärenjungen), während ihre politische Kompetenz und ihr strategisches Handeln als Frau in einer patriarchalen Umgebung weniger Beachtung finden.
Fazit: Richardis demonstriert, dass Frauen im Hochmittelalter trotz formaler Einschränkungen erheblichen Einfluss ausüben konnten, wenn sie strategisch handelten und institutionelle Spielräume nutzten. Ihre Heiligsprechung und die Legendenbildung überdecken jedoch teilweise ihre tatsächlichen politischen, administrativen und wirtschaftlichen Leistungen. Die kritische Betrachtung zeigt sowohl die Einschränkungen patriarchaler Strukturen als auch die Möglichkeiten weiblicher Selbstbehauptung in einer extrem hierarchischen Gesellschaft.
Quellen
Büttner, Heinrich: Andlau und der Schwarzwald. Ein Beitrag zur Geschichte der Erschließung des Gebietes um Ottoschwanden; in: Schau-ins-Land, Breisgauer Geschichtsverein, 67. Jahrlauf 1941
Königshoven, Jacob von: Elsassische und Strassburgische Chronik, mit Anmerkungen Johann Schilters, Strassburg 1698; in: Tittmann, Karl August: Geschichte der deutschen Strafgesetzte, Leipzig 1832
Laszlo, Anne: Die Andlau, eine alte adelige Familie. Auch der Zar war zu Gast; in: Badische Zeitung, Freitag, 05.12.1986
Maurer, Heinrich: Die Stift-Andlauischen Fronhöfe im Breisgau; in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Karlsruhe 1882
None, Franz Josef: Die Andlauer Hofrechte im Breisgau; in: Anzeiger für Kunde des deutschen Mittelalters, Nürnberg 1882
Rietsch, Joseph: Die heilige Richardis. Ein Büchlein für Pilger und Touristen, Verlag F. Sutter (1907) 2. Auflage 1932
http://hausen.pcom.de/jphebel/briefe/brief_fecht_1801_I.htm am 24.02.2020
Königshoven, Jacob von: Elsassische und Strassburgische Chronik, mit Anmerkungen Johann Schilters, Strassburg 1698; in: Tittmann, Karl August: Geschichte der deutschen Strafgesetzte, Leipzig 1832
Laszlo, Anne: Die Andlau, eine alte adelige Familie. Auch der Zar war zu Gast; in: Badische Zeitung, Freitag, 05.12.1986
Maurer, Heinrich: Die Stift-Andlauischen Fronhöfe im Breisgau; in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Karlsruhe 1882
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Rietsch, Joseph: Die heilige Richardis. Ein Büchlein für Pilger und Touristen, Verlag F. Sutter (1907) 2. Auflage 1932
http://hausen.pcom.de/jphebel/briefe/brief_fecht_1801_I.htm am 24.02.2020
https://www.heiligenlexikon.de/BiographienR/Richardis.html am 24.02.2020
https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Andlau am 24.02.2020
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_III._(Ostfrankenreich) am 24.02.2020
https://de.wikipedia.org/wiki/Liutward_von_Vercelli am 24.02.2020
https://de.wikipedia.org/wiki/Richardis am 24.02.2020
https://de.wikipedia.org/wiki/Abtei_Andlau am 24.02.2020
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_III._(Ostfrankenreich) am 24.02.2020
https://de.wikipedia.org/wiki/Liutward_von_Vercelli am 24.02.2020
https://de.wikipedia.org/wiki/Richardis am 24.02.2020
Wappen Ottoschwanden
Kloster Andlau
Foto Ellinor Amini
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