Emilie Flöge
Die Modeschöpferin im reformkleid
Emilie Flöge vogelfrei
Ellinor Amini 2021
Collage und Acryl auf Leinwand
50 x 70 cm
Foto: Fabio Smitka
Collage und Acryl auf Leinwand
50 x 70 cm
Foto: Fabio Smitka
Emilie Flöge Biografie
von Ellinor Amini
von Ellinor Amini
Emilie Flöge (1874–1952) wurde in Wien geboren und wuchs in einem bürgerlichen Haushalt auf. Schon früh zeigte sie ein ausgeprägtes Talent für Mode und Gestaltung, das von ihrer Familie gefördert wurde.
Ihre Familie pflegte enge Verbindungen zur Wiener Kunstszene. Gustav Klimts Bruder war mit einer ihrer Schwestern verheiratet, starb jedoch früh, woraufhin Gustav Klimt die Vormundschaft seiner Nichte und eine unterstützende Rolle für die Familie übernahm und ein enger Vertrauter Emilies wurde. Besonders die Sommerurlaube am Ammersee verbrachte die gesamte Familie Flöge gemeinsam mit Klimt, der sie begleitete. Emilie und Gustav genossen die Zeit bei Aktivitäten an der frischen Luft – Wandern, Schwimmen und sogar Fahrradfahren.
Gemeinsam mit ihren Schwestern Helene und Pauline gründete sie den Modesalon „Schwestern Flöge“, in dem sie innovative Kleidung entwarfen. Der Salon war aber nicht nur ein kleiner Familienbetrieb, sondern ein professionell geführtes Modeunternehmen war, in dem jede Schwester ein eigenes Kompetenzfeld hatte – ein in dieser Zeit für Frauen nicht selbstverständliches Modell:
Emilie Flöge übernahm die künstlerische Leitung und Modedesign‑Verantwortung. Sie war die kreative Kopfdesignerin, entwickelte Entwürfe, reiste zu internationalen Modemetropolen wie Paris und London, suchte Stoffe aus und setzte neue Ideen um. Sie war für alles zuständig, was mit der künstlerischen Gestaltung und dem Stil der Kollektionen zu tun hatte. Zusätzlich war sie oft selbst direkt an der Anfertigung beteiligt, indem sie Stoffe an Schneiderpuppen anpasste und koordinierte sämtliche Abläufe von Schnittmusterentwicklung über Fertigung bis Verkauf.
Helene Flöge (später Donner) kümmerte sich überwiegend um die Betreuung der Kundinnen im Salon sowie um den direkten Kontakt zur Kundschaft und die Präsentation der Mode im Salon.
Pauline Flöge (später Klimt) war die operative Leitung der Schneiderei und übernahm den Bereich Verwaltung und Buchhaltung. Sie war verantwortlich für organisatorische Abläufe im Atelier, darunter die Abrechnung und Leitung des Büros.
Der Modesalon beschäftigte teils bis zu 80 Näherinnen und Zuschneiderinnen, die unter der Leitung der Schwestern arbeiteten. Die Aufgaben der Schwestern umfassten damit auch die Personalkoordination und die Überwachung der Produktion. Ihr Atelier bot Frauen die Möglichkeit, in einem kreativen, weiblich geprägten Umfeld zu arbeiten, und Emilie förderte stabile Arbeitsbedingungen sowie die Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen. In ihrem Atelier entwickelten die Flöge Schwestern das „Reformkleid“, das Frauen der Zeit von den starren Korsetts befreite und den Körper beweglicher machten. Der Modesalon stand in engem Kontakt zu den Wiener Werkstätten. Das Reformkleid verband künstlerische Gestaltung mit praktischer Tragbarkeit und trugen wesentlich zur Emanzipation von Frauen* bei – die Kunst der Wiener Secession wurde tragbar.
Emilie Flöge übernahm die künstlerische Leitung und Modedesign‑Verantwortung. Sie war die kreative Kopfdesignerin, entwickelte Entwürfe, reiste zu internationalen Modemetropolen wie Paris und London, suchte Stoffe aus und setzte neue Ideen um. Sie war für alles zuständig, was mit der künstlerischen Gestaltung und dem Stil der Kollektionen zu tun hatte. Zusätzlich war sie oft selbst direkt an der Anfertigung beteiligt, indem sie Stoffe an Schneiderpuppen anpasste und koordinierte sämtliche Abläufe von Schnittmusterentwicklung über Fertigung bis Verkauf.
Helene Flöge (später Donner) kümmerte sich überwiegend um die Betreuung der Kundinnen im Salon sowie um den direkten Kontakt zur Kundschaft und die Präsentation der Mode im Salon.
Pauline Flöge (später Klimt) war die operative Leitung der Schneiderei und übernahm den Bereich Verwaltung und Buchhaltung. Sie war verantwortlich für organisatorische Abläufe im Atelier, darunter die Abrechnung und Leitung des Büros.
Der Modesalon beschäftigte teils bis zu 80 Näherinnen und Zuschneiderinnen, die unter der Leitung der Schwestern arbeiteten. Die Aufgaben der Schwestern umfassten damit auch die Personalkoordination und die Überwachung der Produktion. Ihr Atelier bot Frauen die Möglichkeit, in einem kreativen, weiblich geprägten Umfeld zu arbeiten, und Emilie förderte stabile Arbeitsbedingungen sowie die Weiterbildung ihrer Mitarbeiterinnen. In ihrem Atelier entwickelten die Flöge Schwestern das „Reformkleid“, das Frauen der Zeit von den starren Korsetts befreite und den Körper beweglicher machten. Der Modesalon stand in engem Kontakt zu den Wiener Werkstätten. Das Reformkleid verband künstlerische Gestaltung mit praktischer Tragbarkeit und trugen wesentlich zur Emanzipation von Frauen* bei – die Kunst der Wiener Secession wurde tragbar.
Emilie Flöge und Gustav Klimt lebten eine künstlerische Symbiose, bei der Emilie designte, Gustav malte und fotografierte, sie gemeinsame gesellschaftliche Anlässe besuchten und so Mode und Kunst öffentlich bekannt machten. Privat bevorzugten beide Kaftans und wallende Gewänder, die Bewegung und Aktivität ermöglichten. Sie inspirierten sich gegenseitig: Seine Gemälde reflektierten ihre Designs, während Emilie sich von Klimts ästhetischer Vision leiten ließ. So kam es, dass viele der fantasievollen Kleider, die Klimt in seinen Gemälden darstellte, auch in der Realität existierten. Zum Beispiel trug Adele Bloch-Bauer diese Mode sowohl auf Porträts als auch privat. Wer genau hinschaut, kann Emilie Flöge selbst noch heute in vielen seiner Gemälde entdecken.
Ob die beiden auch romantisch verbunden waren, ist bis heute Spekulation. In Klimts berühmtes Gemälde "Der Kuss" könnte man jedenfalls die beiden erkennen: Wie nicht von dieser Welt, in Gold getaucht, scheinen die beiden Figuren innig verbunden. Vielleicht Realität, vielleicht Wunschdenken, vielleicht ein ganz anderes Paar? Viele Historiker*innen spekulieren bis heute darüber, gesichert ist jedoch ihre tiefe Freundschaft, gegenseitige Inspiration und künstlerische Zusammenarbeit.
Ob die beiden auch romantisch verbunden waren, ist bis heute Spekulation. In Klimts berühmtes Gemälde "Der Kuss" könnte man jedenfalls die beiden erkennen: Wie nicht von dieser Welt, in Gold getaucht, scheinen die beiden Figuren innig verbunden. Vielleicht Realität, vielleicht Wunschdenken, vielleicht ein ganz anderes Paar? Viele Historiker*innen spekulieren bis heute darüber, gesichert ist jedoch ihre tiefe Freundschaft, gegenseitige Inspiration und künstlerische Zusammenarbeit.
Privat lebte Emilie Flöge selbstbestimmt, ohne Ehe und Kinder, und stellte ihre Karriere in den Vordergrund. Sie reiste zu Stofflieferanten, Modeschauen und Ausstellungseröffnungen, baute Kontakte im In- und Ausland auf und pflegte ein umfangreiches Korrespondenznetz. In ihrer Arbeit zeigte sie ein klares Verständnis für die sich wandelnden Rollen von Frauen, sowohl in Gesellschaft als auch im beruflichen Umfeld. Emilie Flöge war nicht nur Muse, sondern auch gewerblich ausgebildete Schneiderin, Modedesignerin und Geschäftsfrau.
Nach Klimts Tod 1918 vermachte er Emilie sämtliche persönlichen Besitztümer und Hinterlassenschaften, ein Zeichen seiner Wertschätzung für sie und ihre Arbeit. Ein Großteil der Originalunterlagen, Entwürfe und Kleidungsstücke des Ateliers Schwestern Flöge und Klimts Erbschaft ist heute nicht mehr erhalten. Hauptgründe dafür sind Zerstörungen während der beiden Weltkriege, insbesondere ein Brand im Atelier in den 1940er-Jahren, der viele Originalstücke vernichtete.
Emilie Flöge Heute
Emilie Flöge zeigte ein bemerkenswertes Verständnis für feministische Fragestellungen, auch wenn sie sich bewusst nicht als „feministische Künstlerin“ etikettierte. Sie befreite Frauen buchstäblich aus den Korsetts und setzte Kleidung als Medium der Emanzipation ein. Die enge Zusammenarbeit mit ihren Schwestern im Atelier erlaubte eine weiblich geprägte Arbeitsstruktur, in der Frauen Verantwortung übernehmen und kreativ arbeiten konnten. Ihre Rolle als Geschäftsfrau, Designerin und Managerin unterstreicht, wie sie gesellschaftliche Barrieren überwand. Spekulativ könnte man eine romantische oder tiefe emotionale Beziehung zu Gustav Klimt vermuten, aber gesichert ist nur ihre enge Freundschaft und gegenseitige Inspiration.
Sie stellte ihre Karriere und ihre kreative Selbstbestimmung über Ehe und Mutterschaft, was sie in dieser Zeit von vielen ihrer Zeitgenossinnen unterschied. Gleichzeitig engagierte sie sich für die Familie, arbeitete eng mit ihren Schwestern und pflegte soziale Netzwerke. Ihre Beziehung zu Gustav Klimt vertiefte sich durch gemeinsame Aktivitäten, Urlaube und gegenseitige künstlerische Inspiration. Sie war zentrale Figur des Ateliers, koordinierte Produktion, Verkauf und Kund*innenkontakte, und förderte Mitarbeiterinnen aktiv. Konflikte entstanden vor allem durch die Diskrepanz zwischen gesellschaftlicher Erwartung weiblicher Unterordnung und ihrem selbstbewussten Auftreten.
Obwohl Emilie Flöge zu Lebzeiten respektiert wurde, geriet sie im Gegensatz zu Gustav Klimt in der Erinnerungskultur oft in Vergessenheit. Ihre Modeleistungen wurden vielfach, wenn überhaupt, nur in Bezug auf Klimts Bilder wahrgenommen, die enge Verbindung zwischen Kunst und Mode blieb unterbewertet. Historisch werden ihre Beiträge zur Reformkleidung, zur weiblichen Selbstbestimmung in Kleidung und zur Wiener Modeszene oft marginalisiert, was gesellschaftliche Geschlechterhierarchien reflektiert.
Heute wird Emilie Flöge zunehmend als eigenständige Künstlerin und Modepionierin anerkannt. Retrospektiven und Modehistoriker*innen heben ihre Rolle in der Entwicklung der Reformkleider und ihren Einfluss auf internationale Modetrends hervor. Große Modehäuser wie Dior, Valentino und Chanel greifen immer wieder auf ihre Entwürfe zurück. Dennoch bleibt ihre Präsenz in Museen und im öffentlichen Gedächtnis deutlich geringer als die ihres berühmten künstlerischen Partners Gustav Klimt, was historische Ungleichheiten in der Kanonisierung widerspiegelt.
Fazit: Emilie Flöge war eine wegweisende Designerin und Unternehmerin, die künstlerische Innovation, feministische Praxis und wirtschaftliche Führung verband. Sie nutzte Mode als Instrument der Emanzipation und schuf ein Atelier, das Frauen eigenständiges Arbeiten ermöglichte. Historische und gesellschaftliche Umstände führten dazu, dass ihr Beitrag lange weniger sichtbar blieb, ihre Bedeutung für Kunst, Mode und Frauenemanzipation wird heute zunehmend anerkannt.
Quellen
Auf Freiheit zugeschnitten - Emilie Flöge Modeschöpferin und Gefährtin Gustav Klimts / Margret Greiner / btb Verlag / 1. Auflage 2016
https://www.kunstmuseumbern.ch/admin/data/hosts/kmb/files/page_editorial_paragraph_file/file/1718/p83028_de_kmb_af_meret-oppenheim_web.pdf?lm=1634808531
https://www.vogue.de/mode/artikel/emilie-floege