Hedy Lamarr
Erfinderin und Hollywood-Filmstar
not only frequencies hopping
Ellinor Amini 2021
Collage, Tusche und Acryl auf Leinwand
50 x 70 cm
Foto: Fabio Smitka
Hedy Lamarr
Von Ellinor Amini
Hedy Lamarr (1914 – 2000), geboren als Hedwig Eva Maria Kiesler in Wien lebte zwischen Hollywood-Glanz, technischem Erfindergeist und gesellschaftlichen Geschlechtererwartungen. Sie wuchs als Einzelkind in einer wohlhabenden bürgerlichen Familie auf; ihr Vater war Bankdirektor, ihre Mutter Konzertpianistin, und bereits in ihrer Kindheit zeigte sich ihre Kombination aus Schönheit, künstlerischer Neigung und technischer Neugier. In jungen Jahren nahm sie Klavier- und Ballettunterricht, besuchte Privatschulen und entwickelte früh ein Bewusstsein für die Funktionsweise von Maschinen und Technik, indem sie etwa als Kind mechanische Spielzeuge zerlegte, um sie zu verstehen. 
Mit 16 Jahren brach Lamarr die Schule ab, um Schauspielunterricht zu nehmen, und trat zunächst in Wiener und Berliner Filmproduktionen auf. Ein Höhepunkt ihrer frühen Karriere war der kontroverse tschechische Film Ekstase (1933), in dem sie in damals skandalösen Szenen auftrat und international Aufmerksamkeit erregte. Die Rolle trug erheblich zu ihrem Ruf als eine der attraktivsten Frauen Europas bei. 
1933 heiratete sie den österreichischen Rüstungsindustriellen Fritz Mandl, worüber sie später berichtete, dass er sie kontrolliert habe und ihr Schauspielerinnen-Karriere und persönlicher Freiraum verwehrt wurden. 1937 gelang ihr die Flucht aus dieser Ehe nach London; bald darauf wurde sie vom Hollywood-Produzenten Louis B. Mayer entdeckt und nach Kalifornien geholt. Dort änderte sie ihren Namen in Hedy Lamarr und wurde von MGM als „schönste Frau der Welt“ vermarktet. Mit Rollen in Filmen wie Algiers (1938) und dem Monumentalfilm Samson and Delilah (1949) avancierte sie zu einer festen Größe des klassischen Hollywoodkinos und spielte an der Seite bedeutender Stars der Zeit.
 
Parallel zu ihrer Schauspielkarriere entwickelte Lamarr eine ungewöhnliche zweite Leidenschaft: Technische Erfindungen. Sie hatte keine formale Ingenieur*innenausbildung, arbeitete aber in ihrer Freizeit an technischen Ideen und baute etwa praktische Alltagslösungen. 
Während des Zweiten Weltkriegs wandte sie sich gemeinsam mit dem Avantgarde-Komponisten George Antheil einem Problem zu, das die US-Marine beschäftigte: die sichere Steuerung von Torpedos, die durch gegnerische Funkstörungen unbrauchbar gemacht werden konnten. Lamarr kam auf die Idee, das Funksignal zwischen vielen Frequenzen „springen“ zu lassen – ein Verfahren, das später als Frequenzsprung- oder „frequency hopping“-Verfahren bekannt wurde und das nach ihrem Patent von August 1942 die Grundlage für sichere drahtlose Kommunikation bildete. Dieses Patent war für den damaligen Kriegseinsatz nicht praktikabel und wurde abgelehnt. Obwohl das Verfahren damals militärisch nicht genutzt und Lamarrs Beitrag lange nicht anerkannt wurde, bildet dieses Prinzip heute eine technische Grundlage moderner drahtloser Kommunikation. Insbesondere bei Bluetooth sorgt Frequency Hopping dafür, dass Geräte stabil, energieeffizient und störungsarm miteinander kommunizieren können, selbst wenn viele Signale gleichzeitig aktiv sind. Damit prägt Lamarrs Erfindung unseren Alltag bis heute – etwa beim Nutzen von Kopfhörern, Tastaturen, Fitness-Trackern oder Smart-Home-Technologien – und steht zugleich exemplarisch für die historisch späte Anerkennung technischer Leistungen von Frauen*.
Trotz dieses bedeutenden Beitrags erfuhr Lamarr lange Zeit weder Anerkennung noch finanzielle Entschädigung für ihre Erfindung; sie engagierte sich stattdessen im Krieg für den Verkauf von Kriegsanleihen und setzte ihre Filmkarriere bis Ende der 1950er-Jahre fort. 1953 nahm sie die US-Staatsbürgerschaft an, doch ihre Popularität verblasste, und sie zog sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurück. In den letzten Lebensjahrzehnten wurde sie posthum stärker als Pionierin der drahtlosen Kommunikation gewürdigt: 1997 erhielt sie mit Anteil den Pioneer Award der Electronic Frontier Foundation, und 2014 wurde sie in die National Inventors Hall of Fame aufgenommen.
Hedy Lamarr HEUTE
Hedy Lamarrs Biografie, ihr künstlerisches und technisches Werk sowie ihre Lebensführung lassen sind geprägt von patriarchalen Gesellschaftsnormen, Exilerfahrung, Medienkultur und Wissenschaftsgeschichte des 20. Jahrhunderts 
Lamarr wuchs im Wien der Zwischenkriegszeit auf, in einem jüdisch-bürgerlichen Milieu, das Bildung und kulturelles Kapital förderte, zugleich aber stark patriarchal geprägt war. Ihre frühe Filmkarriere in Europa fiel in eine Phase politischer Radikalisierung, Antisemitismus und autoritärer Geschlechterbilder. Sie litt unter dem Machtmissbrauch ihres Ehemannes und ihre Flucht aus dieser Ehe und ihre Emigration in die USA markieren Lamarr als Exilantin, deren Lebensweg durch politische Gewalt, Nationalsozialismus und erzwungene Migration geprägt war.
In Hollywood wurde Lamarr systematisch als „schönste Frau der Welt“ vermarktet. Ihre Rollen waren überwiegend auf visuelle Präsenz, Erotik und exotisierende Zuschreibungen reduziert. Das Studiosystem der 1930er- und 1940er-Jahre ließ kaum Raum für künstlerische Selbstbestimmung, insbesondere nicht für Schauspielerinnen. Lamarrs Schauspielkunst wurde durch die medialen Objektivierung, in der weibliche Körper zu Projektionsflächen männlich dominierter Fantasien wurden, unterbewertet.
Parallel zu ihrer Filmkarriere entwickelte Lamarr technische Ideen, speziell das gemeinsam mit George Antheil patentierte Frequenzsprungverfahren. Historisch bedeutsam ist weniger nur die Erfindung selbst als der Umgang mit ihr, denn das Patent wurde militärisch zunächst ignoriert. Hedy Lamarr erhielt weder finanzielle Beteiligung noch wissenschaftliche Anerkennung und ihre Kompetenz wurde nicht ernst genommen, denn sie war eine nicht ausgebildete, stark sexualisierte Frau. Erst Jahrzehnte später, im Kontext digitaler Kommunikation, wurde die Bedeutung des Verfahrens anerkannt.
Lamarrs Leben verdeutlicht, wie Geschlecht, Schönheit, Klasse und Macht ineinandergreifen. Ihre ökonomische Absicherung durch das Studiosystem ermöglichte ihr zwar Ressourcen, schloss sie aber zugleich in ein enges Rollenbild ein. Ihre technische Arbeit wurde vermutlich nicht trotz, sondern wegen ihrer öffentlichen Rolle als glamouröse Schauspielerin übersehen.
Die historische Rezeption folgte lange einem dualistischen Narrativ: entweder Ikone der Schönheit oder unterschätztes Genie. 
Erst im späten 20. Jahrhundert wurde Lamarr als Erfinderin öffentlich gewürdigt. Diese nachträgliche Anerkennung sagt weniger über einen individuellen „späten Ruhm“ aus als über veränderte gesellschaftliche Sensibilitäten gegenüber Frauen* in Wissenschaft und Technik.
Heute fungiert Hedy Lamarr als Symbolfigur für verdrängte weibliche Wissensproduktion, aber auch als Mahnung, Biografien nicht zu heroisieren, sondern in ihren strukturellen Bedingungen zu lesen.
Quellen
https://hedylamarr.com/

https://www.womenshistory.org/education-resources/biographies/hedy-lamarr

https://www.deutschlandfunk.de/80-jahre-patent-fuer-frequenzsprungverfahren-hedy-lamarr-100.html

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