DIE  BARONESS

„Gegenstandslose Malerei bildet keines der uns auf dieser Welt geläufigen Dinge oder Lebewesen ab. Sie will nichts anderes sein als ein schönes, rhythmisch gegliedertes Gebilde aus Farben und Formen, das durch seine Schönheit allein erfreuen soll. Die Proportionen des Blattes selbst bestimmen diese Gliederung, die wie ein musikalisches Kunstwerk kontrapunktischen Gesetzen gehorcht."
Hilla von Rebay.
Hildegard Anna Augusta Elisabeth Rebay von Ehrenwiesen genannt Hilla von Rebay kommt 1890 als Tochter einer deutschen Offiziersfamilie zur Welt und wird früh von ihrer wohlhabenden und angesehenen Familie künstlerisch und musikalisch gefördert.
Sie weigert sich zeitlebens in das traditionelle Rollenbild ihrer Zeit zu passen, studiert als eine von wenigen Frauen dieser Zeit in Köln, Paris und München an privaten Zeichenakademien und hat schnell Erfolg. In ihrem Verständnis von Kunst spielt für sie die Intuition eine große Rolle. Sie möchte nicht intellektuell, sondern intuitiv malen.
Sie weiß, wie sie sich auf dem gesellschaftlichen Parkett zu bewegen hat, ist charmant und knüpft, wo sie auch ist Kontakte, die ihr später zugutekommen sollen. Sie erkennt früh wie wichtig diese sind, um in der Kunstszene, in der alleinstehende Künstlerinnen eigentlich keinen eigenen Platz haben, zu bestehen. Sie inszeniert sich und „lässt sich ab etwa 1915 als „Baronesse“ anreden (...) - was sie in Wirklichkeit gar nicht ist“.
„Nur wer elegant auftritt imponiert und kann große Preise machen, (...)
bei meinem Können hängt mein Erfolg nur noch vom Auftreten ab, ich habe vieles gelernt hier. (...)
Es ist ein gut Stück Bluff nötig um den Leuten klar zu machen, was sie an einem haben und
dass man sie absolut nicht nötig hat, dann reißen sie sich um einen, ich habe es hier mit Erfolg probiert.“
Sie wird als Künstlerin immer bekannter und hat Ausstellungen in ganz Deutschland, der Schweiz, Italien und ab 1927 in Amerika.
Hilla von Rebay widersetzt sich dem Wunsch der Eltern nach Heirat und Familiengründung, doch sie lebt und arbeitet zusammen mit Rudolf Bauer, für dessen Wohnraum, Atelier und Lebenshaltungskosten sie aufkommt. Sie stellt sich aus eigenen Stücken in seinen Schatten und hebt Bauer zeitlebens auf ein Podest. In ihrer lebenslang anhaltenden Liebe und Verehrung für Bauer wird sie seine stärkste Verfechterin und unterstellt allen, die ihn nicht mögen, sie würden sein Genie verkennen. Dies führt später sogar zum Bruch mit guten Freunden wie Kandinsky und lässt oft an ihrer Glaubwürdigkeit Zweifel aufkommen.
1928 fertigt sie in New York ein Portrait vom „Kupferbaron“ Solomon R. Guggenheim und schafft es, ihn für die moderne Kunstszene zu begeistern. Schnell gewinnt sie sein Vertrauen und wird enge künstlerische Beraterin des Ehepaares Guggenheim. Zu dritt reisen sie durch die Welt, kaufen Kunstwerke berühmter Künstler, dank der Kontakte von Hilla von Rebay. Sie sympathisiert immer stärker mit der gegenstandslosen Kunst und prägt damit den von ihr wörtlich übersetzten Begriff „Non-Objective Painting“.
Bald wird ein Museum für die umfangreiche Sammlung gegründet, für welche Hilla von Rebay die Kuratierung übernimmt und bald darauf das Museum „Art of Tomorrow. Museum of Non-Objective Painting“ in New York eröffnet. Es folgt einem neuen Ausstellungskonzept, das Hilla von Rebay für diese Kunstrichtung entwickelt hat, mit ruhigen Raumeinteilungen, blauem Deckenlicht, klassischer Musik, Beratung auf Wunsch und wenigen Bildern, die nah am Boden hängen. Doch 47 Ausstellungen innerhalb von 13 Jahren sind Hilla von Rebay und Solomon Guggenheim noch nicht genug. Der Architekt Frank LIoyd Wright soll deshalb ein neues Museum entwerfen, das dieser Kunstrichtung gerecht wird und dem Mäzen ein Denkmal setzt.
Leider stirbt Solomon Guggenheim 1949 vor der Fertigstellung des Museums und der Einfluss von Hilla von Rebay wird so weit eingeschränkt, dass ihr 1952 die Leitung der Stiftung entzogen wird. 1959 wird der Museumsneubau eröffnet, welcher unter der neuen Leitung in „Solomon R. Guggenheim Museum“ umbenannt wurde. Hilla von Rebay ist nicht eingeladen. 1967 stirbt sie - bis auf einen giftigen Nachruf in der New York Times - fast vergessen. Erst im 21. Jahrhundert wird sie von der Solomon R. Guggenheim Foundation rehabilitiert und bekam 2005 eine Ausstellung in „ihrem“ Museum.

Hilla von Rebay heute.
Hilla von Rebay war wie sie selbst sagte „zu früh auf die Welt gekommen“. In ihrer Zeit in Europa war sie eine große und gefeierte Künstlerin und auch als Kuratorin für Solomon Guggenheim war sie in den USA anerkannt, doch das Vergessen Hilla von Rebays begann mit dem Tod ihres Freundes und Mäzen Solomon Guggenheim. Durch seinen Verlust verlor sie den Rückhalt in seiner Familie und ihre gesellschaftliche Ächtung begann. Die Familie Guggenheim versuchte ihren Ruf zu schädigen und auch nach ihrem eigenen Tod gab es lange Rechtsstreits zwischen den Familien um ihren Nachlass. Doch die Guggenheims straften Hilla von Rebay mit der schlimmsten aller Strafen. Mit ihrer Unsichtbarmachung. Sie wurde nur noch zur Randnotiz oder gar ganz aus der Entstehungsgeschichte des Museums gestrichen und sie, die ihr Versprechen, Solomon Guggenheim berühmt zu machen, gehalten hatte, wurde einfach ausradiert. Doch statt seiner, verschwand sie in der Anonymität.
Erst im 21. Jahrhundert beginnt langsam die Rehabilitierung durch das Guggenheim Museum und auch in ihrer Heimatstadt Teningen wird die talentierte Bürgerin der Stadt mit Andenken und einem Museum geehrt.

Gegenstandslose Malerei
Teninger Stadtwappen
Guggenheim Museum NYC
Quellen.
Katalog zur Ausstellung „Gegenstandslose Malerei in Amerika“ in der Städtischen Kunsthalle Mannheim und zahlreichen anderen Städten in Deutschland ab Juli 1948. Zitiert nach Von Rebay, Hilla und Solomon R. Guggenheim: Art of Tomorrow, hrsg. von Jo-Anne Birnie Danzker, Brigitte Salmen & Karole Vail. New York: 2005.

Faltin, Sigrid: Die Baroness und das Guggenheim. Hilla von Rebay - eine deutsche Künstlerin in New York. Regensburg 4-2005.
Von der Bey, Katja: Hilla von Rebay. Die Erfinderin des Guggenheim Museums. Berlin 2013.

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