Rosemary kennedy
DIE BARONESS
„Gegenstandslose Malerei bildet keines der uns auf dieser Welt geläufigen Dinge oder Lebewesen ab. Sie will nichts anderes sein als ein schönes, rhythmisch gegliedertes Gebilde aus Farben und Formen, das durch seine Schönheit allein erfreuen soll. Die Proportionen des Blattes selbst bestimmen diese Gliederung, die wie ein musikalisches Kunstwerk kontrapunktischen Gesetzen gehorcht."
Hilla von Rebay
Hilla von Rebay Biografie
von Ellinor Amini
von Ellinor Amini
Hildegard Anna Augusta Elisabeth Rebay von Ehrenwiesen (1890–1967) genannt Hilla von Rebay kommt als Tochter einer deutschen Offiziersfamilie zur Welt und wird früh von ihrer wohlhabenden und angesehenen Familie künstlerisch und musikalisch gefördert.
Sie weigert sich zeitlebens in das traditionelle Rollenbild ihrer Zeit zu passen, studiert als eine von wenigen Frauen dieser Zeit in Köln, Paris und München an privaten Zeichenakademien und hat schnell Erfolg. In ihrem Verständnis von Kunst spielt für sie die Intuition eine große Rolle. Sie möchte nicht intellektuell, sondern intuitiv malen.
Sie weiß, wie sie sich auf dem gesellschaftlichen Parkett zu bewegen hat, ist charmant und knüpft, wo sie auch ist Kontakte, die ihr später zugutekommen sollen. Sie erkennt früh wie wichtig diese sind, um in der Kunstszene, in der alleinstehende Künstlerinnen eigentlich keinen eigenen Platz haben, zu bestehen. Sie inszeniert sich und „lässt sich ab etwa 1915 als „Baronesse“ anreden (...) - was sie in Wirklichkeit gar nicht ist“.
Sie weigert sich zeitlebens in das traditionelle Rollenbild ihrer Zeit zu passen, studiert als eine von wenigen Frauen dieser Zeit in Köln, Paris und München an privaten Zeichenakademien und hat schnell Erfolg. In ihrem Verständnis von Kunst spielt für sie die Intuition eine große Rolle. Sie möchte nicht intellektuell, sondern intuitiv malen.
Sie weiß, wie sie sich auf dem gesellschaftlichen Parkett zu bewegen hat, ist charmant und knüpft, wo sie auch ist Kontakte, die ihr später zugutekommen sollen. Sie erkennt früh wie wichtig diese sind, um in der Kunstszene, in der alleinstehende Künstlerinnen eigentlich keinen eigenen Platz haben, zu bestehen. Sie inszeniert sich und „lässt sich ab etwa 1915 als „Baronesse“ anreden (...) - was sie in Wirklichkeit gar nicht ist“.
„Nur wer elegant auftritt imponiert und kann große Preise machen, (...) bei meinem Können hängt mein Erfolg nur noch vom Auftreten ab, ich habe vieles gelernt hier. (...) Es ist ein gut Stück Bluff nötig um den Leuten klar zu machen, was sie an einem haben und dass man sie absolut nicht nötig hat, dann reißen sie sich um einen, ich habe es hier mit Erfolg probiert.“
Sie wird als Künstlerin immer bekannter und hat Ausstellungen in ganz Deutschland, der Schweiz, Italien und ab 1927 in Amerika.
Hilla von Rebay widersetzt sich dem Wunsch der Eltern nach Heirat und Familiengründung, doch sie lebt und arbeitet zusammen mit Rudolf Bauer, für dessen Wohnraum, Atelier und Lebenshaltungskosten sie aufkommt. Sie stellt sich aus eigenen Stücken in seinen Schatten und hebt Bauer zeitlebens auf ein Podest. In ihrer lebenslang anhaltenden Liebe und Verehrung für Bauer wird sie seine stärkste Verfechterin und unterstellt allen, die ihn nicht mögen, sie würden sein Genie verkennen. Dies führt später sogar zum Bruch mit guten Freunden wie Kandinsky und lässt oft an ihrer Glaubwürdigkeit Zweifel aufkommen.
Hilla von Rebay widersetzt sich dem Wunsch der Eltern nach Heirat und Familiengründung, doch sie lebt und arbeitet zusammen mit Rudolf Bauer, für dessen Wohnraum, Atelier und Lebenshaltungskosten sie aufkommt. Sie stellt sich aus eigenen Stücken in seinen Schatten und hebt Bauer zeitlebens auf ein Podest. In ihrer lebenslang anhaltenden Liebe und Verehrung für Bauer wird sie seine stärkste Verfechterin und unterstellt allen, die ihn nicht mögen, sie würden sein Genie verkennen. Dies führt später sogar zum Bruch mit guten Freunden wie Kandinsky und lässt oft an ihrer Glaubwürdigkeit Zweifel aufkommen.
1928 fertigt sie in New York ein Portrait vom „Kupferbaron“ Solomon R. Guggenheim und schafft es, ihn für die moderne Kunstszene zu begeistern. Schnell gewinnt sie sein Vertrauen und wird enge künstlerische Beraterin des Ehepaares Guggenheim. Zu dritt reisen sie durch die Welt, kaufen Kunstwerke berühmter Künstler, dank der Kontakte von Hilla von Rebay. Sie sympathisiert immer stärker mit der gegenstandslosen Kunst und prägt damit den von ihr wörtlich übersetzten Begriff „Non-Objective Painting“.
Bald wird ein Museum für die umfangreiche Sammlung gegründet, für welche Hilla von Rebay die Kuration übernimmt und bald darauf das Museum „Art of Tomorrow. Museum of Non-Objective Painting“ in New York eröffnet. Es folgt einem neuen Ausstellungskonzept, das Hilla von Rebay für diese Kunstrichtung entwickelt hat, mit ruhigen Raumeinteilungen, blauem Deckenlicht, klassischer Musik, Beratung auf Wunsch und wenigen Bildern, die nah am Boden hängen. Doch 47 Ausstellungen innerhalb von 13 Jahren sind Hilla von Rebay und Solomon Guggenheim noch nicht genug. Der Architekt Frank LIoyd Wright soll deshalb ein neues Museum entwerfen, das dieser Kunstrichtung gerecht wird und dem Mäzen ein Denkmal setzt. Sie ist es, die die heutige Schneckenform des Guggenheim Museums in New York initiiert, die Museumsarchitet Frank Lloyd Wrights später umsetzte.
Nach Guggenheims Tod 1949 wird Hilla von Rebay systematisch marginalisiert. Peggy Guggenheim übernimmt zunehmend die Kontrolle über die Stiftung und Hilla von Rebays Einfluss wird stetig eingeschränkt, bis ihr 1952 sogar die Leitung entzogen und ihre Autorität über die Präsentation und Auswahl der Werke aufgehoben wird. Sie wird, Schritt für Schritt, aus dem Museumsgeschehen ausgeschlossen und die Guggenheims straften sie mit der schlimmsten aller Strafen: Der Unsichtbarmachung.
1959 wird der Museumsneubau eröffnet, welcher unter der neuen Leitung in „Solomon R. Guggenheim Museum“ umbenannt wurde. Hilla von Rebay ist nicht eingeladen.
Die Familie Guggenheim versucht weiter kontinuierlich ihren Ruf zu schädigen. 1967 stirbt sie – bis auf einen giftigen Nachruf in der New York Times – fast vergessen und auch nach ihrem eigenen Tod geht der Rechtsstreit um ihren Nachlass zwischen den beiden Familien weiter.
Hilla von Rebay heute
Hilla von Rebay wirkte im frühen 20. Jahrhundert, einer Epoche, in der Frauen im Kunstbetrieb systematisch benachteiligt wurden. Künstlerinnen hatten nur eingeschränkten Zugang zu Akademien, Ausstellungen und Kunstkritik, und gesellschaftlich dominierten patriarchale Rollenbilder. Rebay gelang es, diese Barrieren zu umgehen, indem sie sich strategisch positionierte, soziale Netzwerke pflegte und eine selbstbewusste, teils inszenierte Persona entwickelte. Ihr Auftreten als „Baronesse“ kann als bewusste Taktik gelesen werden, um in der männerdominierten Kunstwelt Respekt und Aufmerksamkeit zu erzielen.
Rebay verfolgte eine eigenständige künstlerische Vision, geprägt von Intuition, Abstraktion und einer Affinität zur gegenstandslosen Kunst („Non-Objective Painting“). Ihre entscheidende Wirkung liegt allerdings in ihrer kuratorischen Arbeit und der Vermittlung moderner, abstrakter Kunst. Ihr Engagement trug entscheidend dazu bei, die gegenstandslose Kunst in den USA zu etablieren und internationale Aufmerksamkeit zu erzielen.
Rebay verfolgte eine eigenständige künstlerische Vision, geprägt von Intuition, Abstraktion und einer Affinität zur gegenstandslosen Kunst („Non-Objective Painting“). Ihre entscheidende Wirkung liegt allerdings in ihrer kuratorischen Arbeit und der Vermittlung moderner, abstrakter Kunst. Ihr Engagement trug entscheidend dazu bei, die gegenstandslose Kunst in den USA zu etablieren und internationale Aufmerksamkeit zu erzielen.
Ein zentraler, ambivalenter Aspekt ihres Lebens war ihre langjährige Beziehung zu Rudolf Bauer. Sie lebte und arbeitete mit ihm zusammen, stellte sich in seinen Schatten und übernahm sogar die finanzielle Verantwortung für seinen Lebensunterhalt und sein Atelier. Diese Hingabe zeigte ihre Loyalität, führte aber auch zu einer asymmetrischen, toxischen Dynamik: Hilla von Rebay ordnete sich Bauers Bedürfnissen unter und schränkte eigene künstlerische Ambitionen teilweise ein, während sie zugleich seine Karriere unterstützte und stabilisierte.
Trotz ihres maßgeblichen Beitrags zum Aufbau der Sammlung und Bau des heutigen Guggenheim Museums, wurde sie nur noch zur Randnotiz oder gar ganz aus der Entstehungsgeschichte des Museums ausradiert. Besonders durch Peggy Guggenheim, deren Machtinteressen und Eifersucht auf Hilla von Rebays Einfluss kein Geheimnis waren, denn diese hielt nichts von Gegenstandsloser Kunst und konnte nun ihre eigene Sammlung bedeutender expressionistischer und surrealistischer Werke in den Vordergrund rücken.
Erst im 21. Jahrhundert beginnt langsam die Rehabilitierung durch das Guggenheim Museum und auch in ihrer Heimatstadt Teningen wird die talentierte Bürgerin der Stadt mit Andenken und einem Museum geehrt.
2005 bekam Hilla von Rebay endlich ihre lang ersehnte Ausstellung in „ihrem“ Museum: „Art of Tomorrow: Hilla Rebay and Solomon R. Guggenheim“
Fazit: Hilla von Rebay war wie sie selbst sagte „zu früh auf die Welt gekommen“.
Sie steht für die Ambivalenz vieler Frauen in der Kunstgeschichte. Sie war eine visionäre Künstlerin, kuratorische Pionierin und Machtstrategin, die gleichzeitig persönliche Bindungen und gesellschaftliche Zwänge navigieren musste. Ihre Geschichte zeigt, wie Frauen bedeutende Beiträge leisten konnten, dabei aber oft marginalisiert, unsichtbar gemacht oder auf die Rolle der Unterstützerin reduziert wurden.
Sie steht für die Ambivalenz vieler Frauen in der Kunstgeschichte. Sie war eine visionäre Künstlerin, kuratorische Pionierin und Machtstrategin, die gleichzeitig persönliche Bindungen und gesellschaftliche Zwänge navigieren musste. Ihre Geschichte zeigt, wie Frauen bedeutende Beiträge leisten konnten, dabei aber oft marginalisiert, unsichtbar gemacht oder auf die Rolle der Unterstützerin reduziert wurden.
Quellen
Katalog zur Ausstellung „Gegenstandslose Malerei in Amerika“ in der Städtischen Kunsthalle Mannheim und zahlreichen anderen Städten in Deutschland ab Juli 1948. Zitiert nach Von Rebay, Hilla und Solomon R. Guggenheim: Art of Tomorrow, hrsg. von Jo-Anne Birnie Danzker, Brigitte Salmen & Karole Vail. New York: 2005.
Faltin, Sigrid: Die Baroness und das Guggenheim. Hilla von Rebay - eine deutsche Künstlerin in New York. Regensburg 4-2005.
Von der Bey, Katja: Hilla von Rebay. Die Erfinderin des Guggenheim Museums. Berlin 2013.
Gegenstandslose Malerei
Teninger Stadtwappen
Guggenheim Museum NYC
Foto Ellinor Amini
Foto Simon Sarfati